Blutgruppen

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Bei Katzen gibt es drei Blutgruppensysteme: A, B und AB. Einen direkten Zusammenhanf mit dem menschlichen AB0-System gibt es nicht. Die Blutgruppe 0 fehlt nach dem heutigen Kenntnisstand. Unterscheidungen nach dem Rhesusfaktor und dem Kell-System werden bei Katzen nicht gemacht. Die Blutgruppe ist eine Eigenschaft der Hülle der roten Blutkörperchen und wird durch verschiedene Neuraminsäuren bestimmt. Im Serum, dem Blutwasser, tritt ein hoher Spiegel von Antikörpern auf.

Katzen mit der BG B besitzen starke Antikörper gegen die BG A

Katzen mit der BG A besitzen weniger starke Antikörper gegen die BG B

Katzen mit der BG AB besitzen weder Antikörper gegen die BGA noch gegen die BG B

Da die Katzen meist BG A haben, scheint das Problem gering zu sein. Aber bei den einzelnen Rassen differenziert die Häufigkeit stark.

Verteilung der Blutgruppen

Die Verteilung der Blutgruppen ist innerhalb der verschiedenen Rassen sehr unterschiedlich. Die Winn Feline Foundation, eine amerikanische Organisation, hat den Anteil der Blutgruppe B bei unterschiedlichen Rassen 1991 wie folgt festgestellt:

0%: Burma, OKH, Siam

1 – 5 %: Maine Coon, Manx, Norweger

10 - 20%: Abessinier, Somali, Heilige Birma, Japanese Bobtail, Scottish Fold, Perser, Ragdoll

25 – 50%: BKH, Cornish Rex, Devon Rex

Auf dem Weltkongress der Tierärzte 2002 in Granada wurden folgende Zahlen vorgestellt:

0%: Amerikanisch KH, Burma, OKH, Siam, Tonkanesen

1 - 10%: Colourpoint, Maine Coon, Norweger

10 – 20%: Abessinier, Somali, Heilige Birma, Japanese Bobtail, Perser, Scottish Fold, Sphinx

über 20 %: BKH, Cornish Rex, Devon Rex, Exotic Shorthair

Bei den Rassen Heilige Birma, BKH, Scottish Fold, Somali und Sphinx wurden einzelne Tiere mit der BG AB festgestellt.

Hauskatzen haben fast immer die BG A und somit keine Probleme. Bei Britenzüchtern tritt das Problem am wahrscheinlichsten auf, nämlich bis zu 40%.

Vererbung der Blutgruppe

Bei der Vererbung der BG muss man beachten, dass die BG A dominant ist gegen die BG AB und diese wiederum dominant ist gegen die BG B. Der Erbgang ist mit der Farbe Schwarz, Chocolate und Cinnamon vergleichbar. Es sind also verschiedene Kombinationen der Blutgruppengene möglich. Eine Katze mit BG A kann Träger der BG AB oder B sein. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass eine Verpaarung einer B-Katze mit einem A-Kater, der reinerbig für BG A ist, nur Kitten mit der BG A ergibt. Ist der Kater mischerbig A mit B, er hat also BG A, trägt aber BG B, so können 50% der Kitten B-Katzen werden und 50% A- Katzen, die B-Träger sind. In jedem Fall sind die Katzen mit BG A vom „Fading Kitten-Syndrom“ (Kittensterblichkeit durch FNI) bedroht. Außerdem ist bei mischerbigen A-Katern das Problem, dass A-Kitten gezeugt werden können, die bei B-Katzen ebenfalls durch FNI bedroht sind.

Folgende Verpaarungsbeispiele verdeutlichen die Risiken:

1. Katze mit der BG A (A/A) x Kater mit der BG B:
       B B     
    A  A/B  A/B     
    A  A/B  A/B     

100% der Kitten haben BG A, Es besteht keine Gefahr.

2. Katze mit der BG B x Kater mit der BG A(A/A):
       A A     
    B  A/B  A/B     
    B  A/B  A/B     

100 % der Kitten haben BG A. Für alle Kitten besteht Gefahr!

Begründung: Die gesund geborenen Welpen nehmen mit der Kolostralmilch die mütterlichen Antikörper gegen die eigenen roten Blutkörperchen auf. Es kommt zur Felinen neonatalen Isoerythrolyse. Sie führt durch den Zerfall der roten Blutkörperchen, erkennbar durch das Ausscheiden von dunklem Harn. Die Welpen stellen das Saugen ein, was innerhalb der 1. Lebenswoche sehr oft zum Tode führt. Manche Welpen erkranken nicht so stark, aber schwere Durchblutungsstörungen uns Blutgerinnsel können zum absterben der Schwanzspitze und Zehen führen.

3. Katze mit der BG A (A/B) x Kater mit der BG B:
       B B     
    A  A/B  A/B     
    B  B/B  B/B     

50% der Kitten tragen BG A und 50% BG B. Für die A-Kitten besteht keine Gefahr. Bei den Kitten mit der BG B müsste es zu Problemen kommen. Trotzdem passiert in der Regel nichts.

Begründung: Da die Mutter genetisch auch das B-Allel trägt, hat sie wenig Antikörper
gegen BG B.

4. Katze mit der BG B x Kater mit der BG A(A/B):
       A B     
    B  A/B  B/B     
    B  A/B  B/B     

50% der Kitten BG A und 50% die BG B. Für die Kitten mit der BG B ist die Kolostralmilch ungefährlich, bei den Kitten mit der BG A führt sie zur Felinen neonatalen Isoerythrolyse.

(Es ist unbedingt wichtig, die BG A mischerbig = A/B nicht mit der BG AB zu verwechseln!) Haben beide Paarungspartner die gleiche Blutgruppe, besteht keine Gefahr für die Kitten!

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Was ist Isoerythrolyse?

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine tödliche Reaktion von neugeborenen Kätzchen mit der BG A oder AB auf die Muttermilch ihrer Mutter mit der BG B. Durch das Säugen erhalten sie Antikörper gegen ihre eigenen roten Blutzellen. Diese Antikörper wirken zerstörend und entziehen den Kitten den Sauerstoff aus dem Blut, wenn sie eine andere BG als ihre Mutter haben. Es folgt dunkler Urin, Gelbsucht, Blutarmut (Anämie) und evtl. Schwanzbluten. Ganze Würfe versterben innerhalb von 48 Stunden. Nach den Blutgruppenbestimmungen der Mutter und den verstorbenen Kitten konnte das Rätsel gelöst werden.

Die Reaktion tritt nur auf, wenn in der Rasse auch die BG B existiert, d. h. nur dann kann die Blutgruppe AB auftreten.

Vermeidungsstrategien der Krankheit FNI

Es ist unbedingt allen Züchtern anzuempfehlen, einen Bluttest vor der Verpaarung machen zu lassen. Soweit mir bekannt ist, ist es im BEC sogar ein Muss! Nur so kann mit bestem Wissen und Gewissen für das Leben der uns anvertrauten Tiere als Züchter gesorgt werden.

Jeder Tierarzt macht in kürzester Zeit für verhältnismäßig wenig Geld (ca. 20 €) mit 1 ml Blut einen Test und stellt einen Ausweis aus. Dieser ist unbedingt auch bei dem Besitzer des Partnertieres vor der Verpaarung einzufordern. Erst wenn beide Ausweise vorliegen, können die Beispielanalysen vorgenommen werden. Es gibt auch schon ein Labor in den NL, das die Antikörper bestimmen kann, aber das ist noch nicht in jedem Land möglich, auch in Deutschland nicht.

Empfehlungen für die Zucht

Sollte es auch züchterischen Gründen wichtig sein, dass eine B-Kätzin von einem A-Kater gedeckt werden soll, muss man sich auf dieses Problem voll und ganz einstellen. In der Schwangerschaft taucht noch kein Problem auf. Erst nach der Geburt der Kitten ist auf jeden Fall einiges zu beachten, was die Sterblichkeit der Neugeborenen verhindert. Sie müssen gleich nachdem sie ins Leben getreten sind, von der Mutter getrennt werden. Sie dürfen auf keinen Fall an ihr säugen. Die Mutter bekommt einen Body an, damit die Zitzen bedeckt sind. Die kritische Zeit dauert 24 Stunden. In dieser Zeit müssen die Kätzchen mit 2 ml Pet-Milch zweistündlich von Hand gefüttert werden.

Der Darm der neugeborenen Kitten ist nu innerhalb dieser Zeit für Immunglobuline durchlässig. Danach sind die über die Muttermilch aufgenommenen Antikörper unschädlich. Eine vorübergehende Handaufzucht löst also das nicht zu unterschätzende Sterblichkeitsrisiko.

Damit man nur A-Kitten einem Risiko aussetzt, kann man mit über den Tierarzt zu beziehende Testkarten selbst eine Blutgruppenbestimmung vornehmen. Den Alleinvertrieb für Deutschland hat Laboklin, Bad Kissingen. Das aus der Nabelschnur an der Plazentaseite gepresste Blut wird mit einer mitgelieferten Pipette auf das Testfeld aufgetragen. Vorher wird es in einem EDTA Röhrchen ungerinnbar gemacht. Gerinnt das Blut auf Feld A liegt BG A vor, auf Feld B BG B. Sollte das Blut auf beiden Feldern gerinnen, hat das Kätzchen BG AB. Der Test soll sicher sein, aber es ist besser, den Tierarzt hinzuzuziehen, bei Blutgruppenunverträglichkeit kann er auch eine verantwortlich durchgeführte Transfusion erwägen.

Allgemeine Erwägungen

Da die Blutgruppe keine Krankheit ist, sondern nur bei unverantwortlichem Umgang zu einer Krankheit führt, sollten weiterhin beide Blutgruppentiere zur Zucht eingesetzt werden. Es wäre jedoch sinnvoll, die Blutgruppe B nicht in die Zucht zu übertragen, die bisher keine BG B Tiere hatte. Züchter mit „Risikorassen“ durch den BG Faktor B müssen dies ständig bei der Verpaarung im Hinterkopf haben. Wir können das Problem, das es in der freien Natur nicht gibt, nicht ignorieren. Uns Züchtern sind die Tiere anvertraut, wir sollten umsichtig und vorausschauend für ihr Wohl sorgen und Zuchtziele nur verwirklichen, wenn sie ethisch vertretbar sind. Im Falle der Blutgruppenunverträglichkeit muss nur umsichtig und verantwortlich gehandelt werden. Dann ist jede züchterische Erwägung und Verpaarung möglich.




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