Anatomie der Katze

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1. Allgemeines

Katzen sind widerstandsfähige robuste und eigensinnige Tiere, die optimal an ihr ursprüngliches Wesen, das eines Raubtieres, angepasst sind. Ihr Körperbau ist eigens darauf ausgerichtet schnell und beweglich zu sein. Hervorragende Sinne erlauben es ihr, selbst bei widrigen Bedingungen ihre Umgebung gut wahrzunehmen. Sie sind des Menschen Freund aber nicht sein Sklave.

2. Körperbau

2.1. Bewegungsapparat und Gang

Die Katze hat als Vierfüßler und Zehengänger deren typischen anatomischen Aufbau. Kniegelenk und Ellenbogen liegen dicht am Körper, das Sprunggelenk in der Mitte der Beine. An den Vorderbeinen hat eine Katze jeweils 5-, an den Hinterbeinen je 4 Zehen, die mit scharfen, gebogenen Krallen ausgestattet sind. Diese lassen sich in eine weiche ledrige Tasche einziehen und dienen dem Fangen und Halten der Beute. Der Bewegungsapparat ist optimal darauf abgestimmt, der Katze ihre typischen harmonischen Bewegungsabläufe zu ermöglichen. Katzen beherrschen die für viele Säugetiere typischen Gangarten: Gang, Trab und Galopp. Beim Gehen wechselt die Katze regellos zwischen Pass- und Kreuzgang. Hervorragend können Katzen springen und schleichen. Als gute Sprinterin kann eine Katze eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h erreichen. Zum Langstreckenlauf ist sie nicht geeignet. Ihre gute Körperbeherrschung, ihr Sprungvermögen (Sie kann bis zu ihrer fünffachen Körperlänge weit, und bis zu drei Meter hoch springen) und ihre Krallen verleihen ihr hervorragende Klettereigenschaften, die ihr bei Gefahr sehr zu gute kommen. Die weich gepolsterten Zehen und die einziehbaren Krallen ermöglichen der Katze ein lautloses Schleichen.

3. Skelett und Muskulatur

3.1. Skelett
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Das Skelett ist der passive Bewegungsapparat der Katze. Es besteht aus 244 Knochen und verleiht dem Körper der Katze die nötige Stabilität gepaart mit größtmöglicher Flexibilität. Ihre sehr bewegliche Wirbelsäule, die aus 7 Halswirbeln, 13 Brustwirbeln, 7 Lendenwirbeln, dem Kreuzbein (3 miteinander verwachsene Wirbel) und 20 – 23 Schwanzwirbel bestehen, ermöglicht der Katze ihre auserordentlich gute Beweglichkeit. Becken und Schultern sind weniger starr mit dem Rückgrat verbunden. Die fehlenden Schulterblätter werden durch eine ausgeprägte stützende Muskulatur ersetzt. Das ermöglicht den Katzen ihre Vorderbeine sehr beweglich einzusetzen und selbst schmalste Durchgänge zu passieren, durch die gerade nur ihr Kopf durchpasst. Katzen können sich Dank dieses sehr flexiblen Bewegungsapparates fast unbegrenzt drehen und wenden.

3.1. Muskulatur

Die Muskulatur, der aktive Bewegungsapparat, ist ausgeprägt und geschmeidig. Sie umfasst 512 einzelne Muskeln, die der Katze ihre Beweglichkeit und Kraft verleihen.

4. Schädel und Gebiss

4.1. Schädel

Katzen haben einen robusten kurzen Schädel, der dem Schutz des Gehirnes dient. Kräftige Kiefermuskeln erlauben der Katze, ihre Beute zu packen und mit Hilfe ihrer Zähne zu töten.

4.2. Gebiss

Das bleibende Gebiss der Katze umfasst 30 Zähne. Dieses setzt sich je Kieferhälfte aus 3 Schneidezähnen, aus einem Eckzahn, im Oberkiefer aus 3, im Unterkiefer aus 2 vorderen Backenzähnen und aus einem hinteren Backenzahn. Die stark ausgeprägten Eckzähne besitzen Drucksensoren, die es der Katze erlauben, ihre Bissstärke genau zu dosieren, so dass sie sowohl zum kraftvollen Todesbiss ansetzen als auch die eigenen Kitten zärtlich tragen können.

4.3. Milchzähne

Katzen haben (wie auch Menschen) als Kitten ein Milchgebiss. Dieses hat 26 Zähne. Sie kommen mit 4 – 5 Wochen heraus und werden mit etwa 6 Monaten von den bleibenden Zähnen ersetzt. Es besteht je Kieferhälfte aus 3 Schneidezähnen, aus einem Eckzahn und im Oberkiefer aus 3, im Unterkiefer aus 2 vorderen Backenzähnen.

4.4. Zahnformel

Gebiss einer erwachsenen Katze

Oberkiefer
I1  I2  I3    C1    P1  P2  P3    M1
-----------------------------------------
I1  I2  I3    C1    P1  P2   --     M1
Unterkiefer



Milchgebiss

Oberkiefer
i1  i2  i3    c1    p1  p2  p3
---------------------------------
i1  i2  i3    c1    p1  p2   --
Unterkiefer
        

5. Innere Organe

5.1. Verdauungsorgane

Die Katze ist ein Fleischfresser. Dementsprechend sind ihre Verdauungsorgane ausgeprägt. Der U-förmige Magen hat im gesättigten Zustand die Größe einer Faust und produziert sehr scharfe Verdauungssäfte. Milch gerinnt sofort und ist schwer verdaulich. Daher ist es nicht empfehlenswert, Katzen Milch zu geben, und wenn, dann nur in geringen Mengen. Als Fleischfresser frisst eine Katze nur geringe Mengen pflanzlicher Kost. Ihr Darm ist mit 1 – 1,5  Meter Länge relativ kurz. Am After befinden sich die Analbeutel. Bei starkem Stress kann sich dieser unter Abgabe einer stark riechenden braunen Flüssigkeit entleeren.

5.2. Kreislauf

Das Katzenherz schlägt in Ruhe 110 – 130 mal pro Minute und pumpt dabei ca. 330 ml Blut durch den Katzenkörper Der Puls kann an der Innenseite der Oberschenkel oder direkt an der linken Brustkorbseite abgegriffen werden. 15 – 20 Prozent des Blutes dient der Versorgung des Gehirnes. Auf der Jagd oder in Gefahrensituationen können zur Versorgung der Muskulatur bis zu 90 Prozent des Blutes aus den inneren Organen und sogar aus dem Gehirn abgezogen werden. Eine Katze atmet 20 – 30 mal in der Minute, um das Blut mit Sauerstoff anzureichern.

5.3. Gehirn

Das Gehirn einer Katze wiegt in etwa 26 – 32 Gramm (ca. 1 Prozent des Körpergewichtes). Das Gehirn unterteilt sich in Großhirn und Kleinhirn. Das Kleinhirn steuert die Motorik der Katze. Das Großhirn ist zuständig für bewusste Bewegungen (Stirnlappen). Die Scheitellappen, die Hinterhauptslappen sowie der Riechkolben werten die Sinneseindrücke der Katze aus. Die Schläfenlappen steuern das Gedächtnis und das Verhalten von Katzen.

6. Fell und Haut

6.1. Fell

Das Fell dient der Katze, sich vor den Einflüssen der Umwelt zu schützen. Zahlreiche Talgdrüsen fetten das Fell ein und machen es wasserabweisend und geschmeidig. Das Fell besteht aus der Unterwolle und dem Deckhaar. Das Unterfell dient der Wärmeregulierung. Es besteht aus relativ dünnen, weichen, gewellten Wollhaaren. Im Sommer ist es dünner als im Winter. Auch ist es bei im warmen Hause lebenden Katzen weniger stark ausgeprägt als bei draussen lebenden Streunern. Das Deckhaar setzt sich aus widerstandsfähigen Leithaaren und Grannenhaaren zusammen. Der Fellstrich ist dergestalt, dass Wasser an den Haaren herunterläuft und dass die Katze beim Laufen nicht verhakt. Kleine Muskeln an den Wurzeln der Leithaare ermöglichen es der Katze, diese aufzurichten. Dieses Sträuben des Felles dient einer zusätzlichen Isolierung bei Kälte. Auch wirkt die Katze dadurch größer und bedrohlicher, so dass das Sträuben der Haare der Abschreckung dient. Fellhaare haben eine Lebensdauer von 1 bis 2 Monaten. Sie bleiben jedoch monatelang im Fell, bis sie vom nachwachsenden Haar verdrängt werden und ausfallen.

6.2. Tasthaare

Katzen haben sehr empfindliche Tast- und Schnurrhaare die sie zur Wahrnehmung ihrer Umgebung benötigen. Diese befinden sich im Gesicht, an den Augenbrauen und an den Vorderbeinen.

6.3. Haut

Die Haut der Katze ist verhältnismäßig dünn (0,4 mm am Bauch bis 2mm am Rücken). Sie reguliert den Wärmehaushalt der Katze und schützt die Katze gegen Wasserverlust und dem Eindringen von Krankheitskeimen. Sie besitzt Talgdrüsen und Sinneszellen, die der Tast- und der Temperaturwahrnehmung dienen (Ruffinische Körperchen als Wärmerezeptoren und Krause´sche Endkolben als Kälterezeptoren)

7. Geschlechtsorgane
7.1. Männlich - Kater

Die männlichen Geschlechtsorgane sind Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Prostata, Bulbourethraldrüse und Penis. Der Hoden ist nach 5 Wochen tastbar und befindet sich unterhalb des Anus. Das Sekret der Prostata wird bei der Ejakulation abgegeben und ist leicht alkalisch und enthält zahlreiche Enzyme. Der Penis befindet sich unterhalb der Hoden und ist bei sehr jungen Katzen nur schwer zu erkennen. Mit 8 – 10 Monaten ist der Kater geschlechtsreif.

7.2. Weiblich - Katzen

Die weiblichen Geschlechtsorgane sind Eileiter, Eierstöcke, Gebärmutter, Gebärmutterhörner Vagina und Vulva. Bei der Katze ist die Gebärmutter mit 2 Hörnern angelegt. Die Scheide befindet sich unterhalb des Anus. Weibliche Katzen werden normalerweise mit 6 bis 9 Monaten geschlechtsreif. Die Katze hat insgesamt 8 Zitzen, auf jeder Seite 4.

8. Sinne

8.1. Allgemeines

Die Sinne der Katze sind ausgeprägt und gut entwickelt. Sie dienen ihr zur Wahrnehmung, zur Orientierung und zum sozialen Leben. Ihr wichtigster Sinn ist das Sehen, danach folgt das Hören, dann das Riechen und Schmecken.

8.2. Sehen

Das Auge ist das wichtigste Sinnesorgan der Katze. Die großen Augen der Katzen sind frontal ausgerichtet. Die starke Überschneidung des Sichtfeldes beider Augen ermöglicht eine gute räumliche Sicht. Der Blickwinkel beträgt ca. 200°. Die Katze nimmt rasche Bewegungen gut wahr. Die Fähigkeit Details zu erkennen, ist weniger stark ausgeprägt als beim Menschen. Die Netzhaut weist eine hohe Dichte an Sehrezeptoren (Stäbchen) auf. Ferner besitzt die Katze hinter der Netzhaut eine reflektierende Zellschicht (Tapetum Lucidum) die nicht absorbiertes Licht auf die Sehzellen zurückreflektiert. Die Katze braucht nur ein Sechstel der Lichtmenge, die ein Mensch benötigt. Dieses verleiht ihr eine hervorragende Nacht und Dämmerungssicht. Die Zahl der Farbrezeptoren (Zapfen) ist deutlich geringer als beim Menschen, sie hat nur 2 verschiedene Zapfentypen, die für blaue und gelbe Farben empfindlich sind. Katzen können die Farbe rot nicht erkennen, sie erscheint ihnen gelblich. Am empfindlichsten ist die Katze für den Blaubereich. Die Augen öffnen sich nach dem 6 – 12 Lebenstag und sind ab der vierten Lebenswoche voll funktionsfähig. Katzen können ihre Augen nur wenig bewegen, daher  muss sie den Kopf bewegen um zur Seite sehen zu können. Die Pupillen öffnen sich bei zunehmender Dunkelheit von schlitzförmig nach rund, um den Lichteinfall zu vergrößern. Dieser Pupillenreflex läuft sehr schnell ab. Die Augenfarbe, die bei der Geburt meist blau ist, entwickelt sich im Laufe der ersten 3 Monate. Bei Albinismus erscheint das Auge rot (die fehlende Pigmentierung lässt die unter der Netzhaut liegenden Blutgefäße durchschimmern). Die Augenfarbe ist mit der Fellfarbe gekoppelt, d.h. blaue Augen bei weißen Katzen und Maskenfärbung, grüne Augen bei Chinchilla, Shaded und Golden. Eine Besonderheit sind 2 unterschiedlich gefärbte Augen (Odd-Eyed). Ansonsten sind Katzenaugen meist gelblich bis orange gefärbt. Neben dem oberen und dem unteren Augenlid besitzt die Katze die sogenannte Nickhaut, die der Befeuchtung des Auges dient.

8.3. Gehör

Das Gehör, der 2. wichtigste Sinn der Katze, ist äußerst empfindlich. Er umfasst ein Frequenzspektrum von 20 Hz bis 65 kHz (beim Menschen bis 20 kHz). Das ist der Bereich in dem sich ihr wichtigstes Beutetier, die Maus, bemerkbar macht. Die Ohrmuscheln sind frei beweglich und wirken wie Schalltrichter. Sie lassen sich auf eine Schallquelle fokussieren. Selbst leiseste Töne, wie das Trippeln von Mäusepfoten kann eine Katze wahrnehmen. Eingehende Schallwellen werden über das Trommelfell auf die Ohrknöchelchen übertragen. Dort werden sie an die Schnecke weitergeleitet, in deren flüssigkeitsgefüllten Kammern das Cortische Organ, durch die Impulse angeregt, diese an das Gehirn weiterleitet. Katzen sind gegenüber Lärm sehr empfindlich. Weiße Katzen mit blauen Augen können, erblich bedingt, taub sein. Bei der Geburt sind die Ohrmuscheln geschlossen. Sie öffnen sich ab dem 9. - 10. Tag. Voll funktionsfähig ist das Gehör mit 17 Tagen.

8.4. Gleichgewichtssinn

Im Mittelohr befindet sich auch das Gleichgewichtsorgan. Dieses besteht aus 3 senkrecht zueinander angeordneten, lymphgefüllten Bogengängen, deren Sinneshärchen bei Kopfbewegungen angeregt werden, und somit die räumliche Lage des Kopfes an das Gehirn weiterleiten. Insbesondere reflexartige Bewegungen der Katze werden von diesem Organ gesteuert.

8.5. Geruch

Der Geruchsinn der Katze ist deutlich besser ausgeprägt als beim Menschen, allerdings schlechter als beim Hund. Er ist für die Katze weniger wichtig als das Auge  und das Gehör. Er dient der Überprüfung von Futter und dem sozialen Leben der Katze. Katzen haben ca. 200 Millionen Riechzellen. Gerüche werden über die Nase aufgenommen. In den Schleimhäuten des Riechkolbens werden sie von 19 Millionen Nervenenden wahrgenommen, und an das Gehirn weitergeleitet. Beim Menschen sind es 5 Millionen. Geruchsinn und Geschmackssinn arbeiten bei Katzen besonders eng zusammen. Katzen erkennen sich am Körpergeruch. Bei Kontaktaufnahme beschnuppern sie sich über die Analkontrolle. Katzen haben Schweiß- und Talgdrüsen, aus denen sich ein genaues Geruchsprofil ergibt an dem sich Katzen sozial orientieren. Diese Drüsen befinden sich an den Fußballen, im Gesicht, um die Brustwarzen und am After. Durch Reiben setzen Katzen Duftmarken, die der Kommunikation dienen. Die Katze hat ein spezielles Organ, das dem Aufnehmen von Gerüchen dient. Dieses Jakobson'sche Organ  sitzt zwischen Rachen und Nasenhöhle. Das Aufnehmen von Gerüchen über dieses Organ wird flehmen genannt. Dabei kräuselt die Katze die Nase und streicht mit der Zunge den Duft über das Jakobson'sche Organ. Insbesondere der Geruch einer rolligen Katze animiert einen Kater zum Flehmen.

8.6. Geschmack

Katzen können salzig, sauer, bitter und umami (eine spezielle Fleisch-Geschmacks-wahrnehmung) unterscheiden. Süß können Katzen nicht schmecken. Beim Genuss von Zucker bekommen Katzen Durchfall. Katzen haben Geschmackssinneszellen, die auf Wasser reagieren. Sie scheinen Wasser zu schmecken. Da der Geschmackssinn sehr eng mit dem Geruchsinn gekoppelt ist, verlieren erkältete Katzen ihren Appetit.

8.7. Tastsinn

Katzen können sich dank ihres hervorragenden Tastsinns auch bei völliger Dunkelheit orientieren. Sie besitzen starke Sinneshaare, die sich im Gesicht und an den Vorderpfoten befinden. Auf der Ober- und Unterlippe befinden sich ca. 30 Schnurrhaare. Weitere 12 Sinneshaare über den Augen und an den Backen, sowie je 5 Tasthaare an den Vorderpfoten komplettieren die Sinneshaarausstattung. Die Wurzeln dieser Haare sind mit empfindlichen Nerven und Muskeln ausgestattet, die es der Katze erlauben sogar Luftdruck- und Temperaturschwankungen wahrzunehmen. Katzen können mit ihrem Tastsinn Gegenstände präzise erkennen.

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